Schuld der Vorfahren? Tragen wir die Schuld unserer Vorfahren?

Was sagt die Bibel dazu?

In der Bibel steht im 2.Mose 20,5 und 2.Mose 34,7, dass Gott die Missetat der Väter heim sucht bis ins dritte und vierte Glied. Die Kinder mussten damals die Schuld ihrer Vorfahren tragen. Das war eine alttestamentliche Wahrheit, die auch so eingetreten ist.

Viele Christen glauben immer noch, dass dies auch in der neutestamentlichen Zeit Bestand hat. Diese Ansicht begegnet mir immer wieder auch in der Seelsorge. Da vermuten immer wieder Christen, dass ihre körperlichen oder seelischen Erkrankungen aufgrund der Schuld ihrer Vorfahren also Eltern, Großeltern, Ur-Großeltern und Ur-Ur-Großeltern entstanden sind.

 

In dem alttestamentlichen Buch des Propheten Hesekiel wird uns in Kapitel 18 ganz klar gesagt, dass die Vorfahrensschuld nicht mehr gelten soll und zwar ab dem Zeitpunkt der Verkündigung durch den Propheten. Das ganze 18te Kapitel legt klar und deutlich aus, dass die Vorfahrensschuld durch Gott abgeschafft ist.

 

Spätestens seit dem neuen Bund, den Jesus mit uns geschlossen hat, gilt der alte Bund nicht mehr. Der Bund (alte Bund), den Gott mit Israel geschlossen hat gilt für uns Christen nicht. Das Neue Testament sagt uns, dass wir nicht mehr unter dem Gesetz sondern unter der Gnade stehen (Römer 6,14).

 

Wir leben in der Gnadenzeit, die Jesus im Tempel von Jerusalem (Lukas 4,18-21) verkündet hat. Was wäre das für ein Gott der Gnade wenn Kinder die Schuld ihrer Vorfahren tragen müssten?

 

Die Strafe Gotte liegt auf Jesus und nicht auf den Kindern der Schuldiger.
Jesaja 53,5: „Aber er (Jesus) ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“ Nach der Lutherübersetzung.

 

Ich erlebe in der Seelsorge, dass manche Menschen ähnliche oder gleiche Beschwerden haben wie ihre Eltern, besonders die seelischen Beschwerden.
Manche werden zum Alkoholiker weil ihr Vater auch schon getrunken hat. Das hat den Grund darin, dass Kinder, die einen trunksüchtigen Vater erleben, wenig Selbstwert entwickeln und dann später auch Halt im Alkohol suchen.

Manche Menschen haben Ängste oder Depressionen, weil dies ihre Eltern oder ein Elternteil auch schon hatte. Sie konnten als Kinder keine Sicherheit erleben, weil das die Eltern nicht geben konnten. Die Kinder entwickeln später dann auch Ängste und Depressionen.

 

Die zwei aufgezeigten Beispiele sind nicht bedingt durch eine Vorfahrensschuld, die von Generation zu Generation weitergegeben wird, sondern entwicklungsbedingte Störungen, die erst mal nichts mit Schuld oder Sünde zu tun haben.
Gerade die zwei von mir aufgezeigten Beispiele werden von den Vertretern der Vorfahrensschuld herangezogen um zu belegen, dass die Vorfahrensschuld immer noch wirksam ist. Die Gründe dafür sind aber für mich nicht geistlicher Natur (Vorfahrensschuld) sondern psychologisch bedingt.

 

Für mich ist die Vorfahrensschuld seit dem alttestamentlichen Propheten Hesekiel beendet, spätestens jedoch seit Jesus.